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Mein Weg aus meiner Essstörung

Aktualisiert: 29. Juli 2023

Fünf Jahre lang beschäftigte und begleitete mich meine Essstörung im alltäglichen Leben. Nach mehreren Psycho- und Hypnosetherapien, viel Yoga, bewusstes Meditieren, einleuchtenden Beratungen und vertiefter Selbstreflexion konnte ich letztendlich über meine Esssucht hinwegkommen. Anfangs sah ich kein Ende dieser dunklen Tage doch heute bin ich bereit meine Geschichte, vor allem mein Wissen und meine Erfahrungen mit Dir zu teilen und hoffe, dass ich Dir Mut und Einsicht bereite, es ebenfalls zu schaffen.


Bevor ich anfange, dir meine Geschichte anzuvertrauen, würde ich gerne eins zwei Punkte ansprechen. Erstens, schön dass Du da bist und dir die Zeit nimmst meinen Blog zu lesen, es bedeutet mir viel. Zweitens, ist es mir sehr wichtig, dass alle folgenden Bilder, welche in diesem Blog gezeigt werden, nicht als Vorzeigebilder gelten sollen. Noch sollte darüber geurteilt werden, was schön ist und was nicht. Das liegt immer im Auge des Betrachters, wichtig ist wie man sich im eigenen Körper fühlt. Es liegt mir am Herzen, dass diese Bilder mit Verstand angeschaut werden. Ich habe mich so oft verglichen und wünschte ich hätte es weniger getan und mich in all diesen Bilder genau so geliebt wie ich es heute tue. Denn wenn ich diese Bilder anschaue, finde ich mich auf allen Bilder wunderschön wie ich war, nur spüre ich noch immer den Schmerz, dass ich mich dazumal selbst fertig gemacht und wie hässlich ich mich gefühlt habe.


Sport war schon immer meine Leidenschaft. Schon mit ca. 7 Jahren, begann ich mit Geräteturnen in einem Verein. Dies praktizierte ich etwa 10 Jahre. Als ich dann mit meiner Ausbildung als Zeichnerin Fachrichtung Architektur begann und ich auch nebenbei noch mit Fitness anfing, wurde mir das Turnen zu viel und ich fuhr "nur" noch mit Fitness weiter. "Nur", ich wünschte es wäre dazumal dabei geblieben.


Denn so hat alles begonnen...

Anfangs 2016... Ich machte dazumal verschiedenste Low-Carb Diäten, Detox-Kuren und las unendlich viele Artikel über Fitness, Sport und Ernährung die mich motivierten. Ehrlichgesagt begann ich mit einer 30 Tage Abnehm Diät, welche ich beim durchstöbern im Internet fand. Keine Kohlenhydrate, viel Fleisch und wenig Fett und drei Mahlzeiten am Tag - das stand auf diesem Diätplan. Ich zog es vollkommen durch, meine Mama hatte sogar auch mitgemacht. Mein Startgewicht war 55kg, nach den 30 Tagen wog ich noch 49kg. Natürlich hatte ich auch viel Wasser dabei verloren, doch nach dieser Diät wollte ich noch mehr. Ich ass so weiter und stürzte mich voll und ganz in die Fitnesswelt. Zu dieser Zeit ging ich fünf bis sieben Mal die Woche für ca. zwei Stunden ins Fitness. Die Messungen meines Körperfettanteils, welche ich gratis im Fitness machen konnte, lagen dazumal bei 22%, was für Frauen im gesunden und normalen Bereich liegt. Doch ich wollte immer mehr - mehr Sport, mehr Gewichtsreduktion, mehr Erfolge. Meinen Körperfettanteil wollte ich noch weiter senken. Ich passte meine Ernährung auch dementsprechend an. Alles durfte nur gesund sein - möglichst wenig Fett, keine Kohlenhydrate und möglichst wenig Kalorien. "Abnehmen! Und zwar schnell!" sagte eine Stimme in meinem Kopf.

Zuhause durfte mein Papa nichts mehr für mich mit Öl anbraten, denn Öl hat viel zu viel Kalorien und ist überhaupt nicht gut für meinen Körper - so dachte ich dazumal. Konsequent zog ich es durch, über ein Jahr. Davon habe ich über sechs Monate nichts, wirklich nichts zuckriges noch fettiges gegessen. Nach ca. einem Monat konnte ich meinen Körperfettanteil schon um 3 % senken.

Ich war schon ziemlich dünn und man sah meine Bauchmuskeln sehr gut. BHs wurden mir zu gross und merkte es nicht mal. Ich sah irgendwie völlig verfallen aus. Zu diesem Zeitpunkt wog ich mit einer Körpergrösse von 160cm noch ca. 46 Kilogramm.


Bilder: Oktober 2016


Als diese Bilder entstanden sind, war ich auf Mallorca in den Ferien mit einer ehemaligen Freundin. Ich wollte unbedingt jeden Tag Sport machen. Zum Frühstück ass ich Eier, Magerquark und Früchte, wo auch immer möglich vermied ich Kohlenhydrate. Die ganzen Ferien hatte ich kein einziges Mal etwas gegessen, was ungesund sein könnte. Kein Eis bei dieser Hitze, keine gezuckerten Pancakes am Morgen, keine Pasta oder Pizza am Abend und keine Desserts im Allgemeinen. Mein Kopf war so streng zu mir selbst, dass ich es nicht einmal wollte. Ich wollte kein Eis, ich wollte keine Pancakes, keine Pasta und Pizza und keine Desserts. Wichtig für mich war es jedoch, meinen Eiweissgehalt zu decken.


Trotz dieser ständigen Kontrolle über die Ernährung, fühlte ich mich rückblickend nicht wohl in meinem Körper. An einem Tag zu dick, am anderen Tag wollte ich mehr Muskeln und dann fühlte ich mich zu dünn. Sogar mein ehemaliger Chef machte sich Sorgen um mich. Er fragte meine Mutter, wieso ich so wenig esse und dass ihm aufgefallen sei, wie dünn ich geworden sei. Meine Mutter erzählte mir dies nachträglich und ich sagte zu ihr: "Ach, er muss sich doch keine Gedanken machen, ich weiss wo meine Grenzen sind. Ich möchte mich einfach gesund ernähren und Sport treiben das ist alles."

Bilder: September 2016


Anfangs 2017 wechselte ich das Fitness. Heute weiss ich nicht ob diese Entscheidung gut oder schlecht war. Ich sprach mit dem Personal im neuen Fitness über meine Ziele. Mein Ziel war es mehr Muskeln aufzubauen und vor allem einen knackig trainierten Po zu haben. Sie sagten mir, dass wenn ich Muskeln aufbauen möchte, müsse ich mehr essen als dass ich verbrenne. Dies war das komplette Gegenteil gegenüber meinem Essverhalten zu dieser Zeit. Ich wollte alles darüber wissen und löcherte die Angestellten mit Fragen. Sie sagten, ich solle einmal aufschreiben, was ich täglich zu mir nehme und dann ca. 300-500 Kalorien dazurechnen, damit ich meinen ungefähren Kaloriengehalt pro Tag für die Muskelaufbauphase hatte. Ich war komplett überfordert, denn ich wusste nicht genau wie viel ich ass, doch ich wusste unterbewusst, dass ich weniger ass als das ich verbrannte.


Zuhause suchte ich im Internet nach kalorienhaltigen Rezepten und Mahlzeiten für Zwischendurch. Weiter interessierten mich Artikel über die Massenphase, das Training sowie die Ernährung in der Massenphase. Ich liess mir im Fitness ein Training zusammenstellen und stellte meine Ernährung wieder um 180 Grad auf den Kopf. Hätte ich mich noch mehr abgemagert, wenn ich kein Gespräch mit Fachleuten gehabt hätte? Ich ass also ergänzend zu meinen drei Hauptmahlzeiten, nochmals zwei bis drei Zwischenmahlzeiten pro Tag. Mein Favorit war Vollkorntoast mit Erdnussbutter bestrichen und Bananenscheiben belegt. Das gabs immer dann, wenn ich mal wieder das Gefühl hatte ich esse zu wenig. Die ersten paar Monate fühlte ich mich wohl und gut. Ich sah Veränderungen, was mich erfreute. Im März 2017 wog ich ca. 51 Kilogramm, so fühlte ich mich am wohlsten. Ich hatte vor allem Muskeln aufgebaut und konnte mein Gewicht bei ca. 53 Kilogramm halten. Ich weiss noch, dass ich kurz darauf mit meiner besten Freundin in die Ferien ging. Ferien stressten mich immer ungemein, denn ich wusste, dass ich in dieser Zeit meinen Trainingsplan nicht einhalten werden kann. Vor den Ferien habe ich folgend ausgesehen.

Bilder: August 2017


Nach den Ferien, wollte ich unbedingt direkt wieder ins Fitness, um die Muskeln welche ich in dieser Woche verloren habe, wieder aufzubauen - natürlich völliger Schwachsinn, denn in einer Woche verliert man die Muskeln noch nicht. Jedoch hatte ich den inneren Stress und nutzte es als Motivation. Ich wollte dass alles noch schneller geht - und das ging es auch. Ich habe es mit der Massenphase übertrieben. Nach drei Wochen zeigte meine Waage 59 Kilogramm an. Es ist auch erwähnenswert, dass ich mich dazumal täglich bis zu 3x gewogen habe. Heute besitze ich nicht einmal mehr eine Wage, denn es kann wirklich krankhafte Schäden hinterlassen. Doch zurück zum Thema, war es in dieser kurzen Zeit unmöglich, dass die Zunahme auf Muskeln zurückzuführen ist. Innert diesen drei Wochen habe ich also 6 Kilogramm zugenommen. Es ging so weiter bis im Februar 2018, wo ich mich dann sicherlich am unzufriedensten gefühlt hatte.

Bilder: Januar / Februar 2018


Ich bemerkte, wie mir meine Hosen zu eng wurden, wie meine BHs zu klein wurden, ich mich in engen Oberteilen wie eine Presswurst fühlte und im Allgemeinen war ich total aufgedunsen. Weinend vor meinem Spiegel stehend rutschte ich in eine Kriese mit tiefer Unzufriedenheit. Ich weiss noch, dass meine Mama mich dann versuchte aufzumuntern und den Vorschlag machte, mit mir neue Hosen kaufen zu gehen. Doch das ging gegen meinen Kopf, denn ich wusste, um mich besser zu fühlen, muss ich abnehmen. Ich antwortete meiner Mama: "Nein, wenn ich etwas erreichen will, kann ich es auch schaffen. Ich werde mein Gewicht schnell wieder runter kriegen. In einer Woche passen mir die Kleider wieder."


Ich setzte wider alle Hebel in Bewegung um mein Gewicht zu reduzieren. Dementsprechend machte ich weiterhin viel Sport und passte meine Ernährung wider komplett an. Keine Kohlenhydrate, kein Zucker und möglichst wenig Fett stand auf meinem Ernährungsplan. Vom einem Extrem ins nächste Extrem. Auch machte ich Entschlackungskuren von berühmten Produkteketten. Doch all diese Ernährungsumstellungen, die Unzufriedenheit und der Stress sowie die Verwirrung in meinem Kopf führten zum selben Output: Heisshungerattacken.


Für diejenigen die nicht wissen, was man sich genau darunter vorstellen kann fasse ich es kurz zusammen. Ich werde aber sicher noch einen weiteren Blogbeitrag dazu schreiben und euch im Detail davon Berichten.

Bei Heisshungerattacken überfährt einem eine Lust auf meist ungesundes Essen (weil man es sich über eine Längere Zeit verboten hat). Der Verstand schaltet komplett aus und man isst extrem viel auf einmal. Man will das Überhaupt nicht und eine innere Stimme spricht kontinuierlich zu einem "Hör auf, es ist nicht gut für dich" und eine andere Stimme sagt "Iss jetzt, denn morgen musst du dich wieder an deinen Diätplan halten". Das ganze wird im Englischen auch Binge Eating genannt. "Binge" bedeutet, wenn jemand etwas in einem extremen Übermass macht oder konsumiert.


Oktober 2017 war der ungefähre Beginn meiner Heisshungerattacken und hatte den Höhenpunkt anfangs 2018 erreicht. Im April 2018 wollte ich dann wieder abnehmen und passte erneut meine Ernährung und mein Training dementsprechend an. Wie ihr sehen könnt, war es ein ständiges auf und ab. Im Oktober 2018 nahmen die Heisshungerattacken wieder drastisch zu. Es machte mich innerlich fertig, doch gegen aussen war ich stark. Man hat es mir weder angesehen noch eine Vermutung gehabt (bis auf meine ständigen Körperveränderungen), dass es mir nicht gut geht. Ich nahm den Mut zusammen und sprach mit meinem damaligen Freund darüber. Auch erzählte ich es meiner Mutter, meiner besten Freundin sowie meiner Schwester. Alle zeigten Verständnis doch irgendwie fühlte man sich doch nicht verstanden. Es war für mich, als müsste ich mich jetzt noch mehr verstecken wenn ich esse. Ich fühlte mich beobachtet und beurteilt. Denn die, die selbst an einer Essstörung leiden, wissen, dass man Essattacken im Versteckten hat. Man versteckt die Verpackungen von Keksen, Schokoladen Packungen und dergleichen im Zimmer oder man wirft es in einen externen Abfalleimer. Ich kämpfte mit meinen Heisshungerattacken gegen mein Gewicht an und wollte es wieder runterkriegen. Die Attacken und mein Stoffwechsel, welcher durch das ganze auf und ab sehr geschädigt war, liessen mich mein Gewicht nur langsam reduzieren.


Bilder: September / Oktober 2018

Im April im Jahr 2019... Neues Jahr, neue Ziele, neue Energie und ich begann mit einer Entschlackungskur um mein Gewicht weiter zu reduzieren. Mein Ziel war es immer wieder so auszuschauen, wie ich mit 53 Kilogramm und ca. 18 Jahren ausgeschaut habe. Heute weiss ich, das man sich niemals mit sich in der Vergangenheit vergleichen soll sondern im jetzt sich mit Selbstliebe akzeptieren und lieben zu lernen. Nach der Entschlackungskur, in welcher ich nur Eiweiss und selten Fett gegessen habe, habe ich wieder extrem an Gewicht verloren.



Ich war wieder extrem dünn, und überlegte mir vor dem Kühlschrank, ob ich nun das Alpro Joghurt mit Vanille Geschmack, welches nicht auf meinem Plan stand, essen soll oder nicht. Schloss dreimal den Kühlschrank bevor ich mir dann das Joghurt genommen und gegessen habe. Natürlich habe ich es nicht genossen und mir dabei ständig ausgerechnet wie viele Kalorien ich nun zu mir nehme. Bei einem Joghurt! Dabei habe ich meinen Bauch angeschaut und danach getastet ob ich schon zugenommen habe. Ich wusste, es kann so nicht weiter gehen. Es war das Jahr, in dem ich es nicht mehr ausgehalten habe. Ich musste etwas ändern. Ich kämpfte ständig mit meinen Gedanken und dem Essen. Ich vertraute mich immer mehr mit meinem Problem an und ging zu einer Psychologin, welche unter anderem auch mit Essgestörten zusammenarbeitete. Es blieb schlussendlich aber bei dieser einen Sitzung, da ich das Gefühl hatte, es passt für mich zwischenmenschlich nicht. Ich pickte jedoch genau die folgenden drei für mich sinnvollen Inputs aus diesen zwei Stunden Sitzung raus:


Erstens: Ich fokussiere mich zu fest auf meinen Körper

Zu Beginn der Sitzung fragte mich die Therapeutin was ich an mir mag. Als ich einige Minuten überlegte antwortete ich: "ich mag mein Bauch, meine Augen und meine Beine, meine Haare und Hände. Sie schaute mich an und fragte: "Und was magst du an deiner Persönlichkeit, an dir selbst?" Ich zögerte einen Moment und fing an zu schmunzeln, denn Sie hatte mich irgendwie auf frischer Tat ertappt. Ich merkte selbst wie fest Körperfokussiert ich war. So streng war ich mit mir selbst und gefangen in diesem "ich muss gut aussehen, ich darf kein Gramm Fett haben, ich muss perfekt sein um glücklich und unbeschwert leben zu können" und vergass dabei alle anderen wunderschönen Eigenschaften an mir und das aller wichtigste - meine eigene Persönlichkeit.


Zweitens: Instagram ist für mich momentan keine gute Plattform

Wir machten eine Übung mit Wörtern und Energien, welche mir eindeutig zeigten, dass Instagram für mich in dieser Verfassung keine gute Plattform darstellte. Jeden Tag durch diese perfekten Körperbilder scrollen und sich automatisch, ohne das man es überhaupt will, zu vergleichen. All das geschieht im Unterbewusstsein und es gibt einem das Gefühl nicht gut genug zu sein. Ich deaktivierte danach auch für mehrere Monate meinen Instagram Account.


Drittens: Ich muss neu erlernen wie man isst

Diese Therapeutin sagte mir auch, das schwierigste an einer Esssucht/Magersucht sei es, dass das Essen zu den Grundbedürfnissen zählt. Man wird jeden Tag mit dieser Sucht konfrontiert und muss das Mass abschätzen. Man muss wieder lernen wie man normal isst. Was ist eine normal Portion? Was ist eine ausgewogene Ernährung? Die Esssucht ist nicht gleichzustellen mit einer Sucht nach Zigaretten, welche du von einten zum anderen Tag vernichten könntest und nie wieder anfassen müsstest. Essen muss oder sollte man zumindest täglich.


Diese drei Aspekte hatten mich zum denken angeregt und waren das, was ich aus dieser Sitzung mitnehmen durfte.


Ich begann zur Selbstreflexion mit einem Journal in welches ich immer mal wieder reingeschrieben hatte. Ich schrieb über meine Gefühle und praktizierte Selbstliebe in dem ich mir meine Liebe zu mir selbst ausgesprochen habe. Tag für Tag blieb ich dran. Ich schrieb, informierte mich im Internet über essgestörte Verhaltensweisen, schaute nach Videos von Frauen mit dem selben Problem und kämpfte jeden Tag aufs neue. Ich erkannte mein Problem und ich wusste, ich muss es verarbeiten können.


Hier ein paar Seiten meines Journals:


2020 war das Jahr das mich so richtig testete. Die Lockdowns welche Bestandteil dieses Jahr waren, gaben mir mehr Zeit für mich zu reflektieren und noch mehr daraus zu wachsen. Durch das Zuhause sein konnte ich mich mehr auf mich fokussieren, ich machte mehr Yoga und meditierte regelmässiger. Ich konnte auf Grund der Massnahmen auch nicht mehr ins Fitness gehen, was mich zuerst sehr nervte, doch dann fand ich Spass daran zu Hause oder am liebsten in der Natur zu trainieren. Ich entschied mich sogar, dass ich nach dem Lockdown kein Fitness Abonnement mehr lösen werde, da mich das Training mit Eigengewicht faszinierte. Der Verzicht auf das Fitness tat meinem Kopf auf jeden Fall gut. Es liess mich nicht mehr bewusst rechnen, wie viel ich beim trainieren im Fitness verbrannte. Jedoch hatte ich immer noch vereinzelte Rückfälle aber niemals mehr so schlimm wie in den vergangenen Jahren. Ich wollte das Gefühl aber noch ganz loswerden, ich wusste, es muss klappen. Die Selbstreflexion und Zeit für mich bewogen mich dazu, in eine Hypnosetherapie zu gehen. Psychische Probleme stammen von einem Ursprungsgefühl von Erlebnissen deiner Kindheit ab, somit heilte ich damit mein Inneres Kind. Ich führte danach weiterhin meistens Abends eine Selbsthypnose durch und behandelte mein Problem selbst weiter. Meine Gedanken an das Essen nahmen immer mehr ab. Ich merkte wie ich mich immer mehr davon lösen konnte. Es wurde immer leichter und ich machte mich selber nicht mehr fertig, wenn ich einmal etwas ungesundes gegessen habe. Auch ging ich Ende 2020 noch in eine Ernährungsberatung, welche mich auch noch einmal mehr zum Ziel brachte. Danach wusste ich noch einmal mehr, dass es in Ordnung ist zu Essen und ich keine Angst davor haben darf. Es gab immer Mal wieder Tage, in welchen ich mich deswegen schlecht fühlte. Jedoch waren diese Tage nicht mehr alle drei Wochen, sondern nur noch alle vier Monate. Im Rückblick, war dieses Jahr für mich und meine Essstörung sehr erfolgreich.


2021 schloss ich die Erwachsenenmatur ab und fokussierte ich mich extrem auf mich selbst. Diejenigen, die mich schon länger auf Instagram verfolgen wissen, dass ich in diesem Jahr täglich an meinem Handstand übte. Ich wollte unbedingt für eine längere Zeit stehen können. Ich sagte mir, dass ich jedes Mal wenn ein Gefühl einer Essattacke aufkommen soll, ich einfach den Handstand mache. Das tägliche Training zahlte sich aus. Denn ich erreichte es, für ganze 25 Sekunden frei zu stehen. Es stärkte mich jeden Tag und half mir, mir bewusst zu machen, dass wenn man konstant an etwas arbeitet und dran bleibt, es schaffen kann. Ich hatte im März 2021 das Fitness Abonnement von meiner Schwester übernommen und ging wieder regelmässig trainieren. Ich war total motiviert meine Kraft für den Handstand und allgemeine Körperkraft im Fitness aufzubauen und meine Mobilität mit Yoga zu verbessern. Zu dieser Zeit war ich mitten in meiner 200h Yoga Ausbildung zur Hatha Yoga Lehrerin. Mitte August merkte ich, dass ich es mit Sport wieder übertrieb und ich merkte, dass ich wieder mehr auf mein Essen und meinen Körper Fokus legte. Ich sah dies als Warnzeichen und schraubte das Training zurück. Ich wollte auf gar keinen Fall mehr in das selbe hinein rutschen. Durch meine Yoga Ausbildung lernte ich die Balance zu halten und mich in meiner Mitte zu finden. Es ist wichtig, dass man seine Gefühle wahrnimmt und dementsprechend handelt, es macht dich nicht nur glücklicher, es stärkt auch dein Selbstwertgefühl.


Heute bin ich so dankbar für alles was ich durchmachen musste. Ich lernte mich in dieser dunklen Zeit extrem gut kennen. Ich lernte, auf mich und mein inneres zu hören. Ich lernte wie ich Probleme behandeln muss. Ich lernte wie eine ausgewogene Ernährung wirklich aussieht und dass das, was im Instagram gezeigt wird oftmals nicht der Realität entspricht. Ich lernte Selbstliebe zu praktizieren und mich selbst zu akzeptieren. Ich lernte mich selbst Wert zu schätzen und positiv über mich selber zu sprechen und zu denken. Ich möchte auch hier erwähnen, dass ich trotz meinen negativen Gedanken an das Essen immer positiv eingestellt war. Jedes einzelne Gespräch, jedes Down, jede Therapie, jede innere Arbeit und auch meine Yoga Ausbildung hat dazu beigetragen dass ich heute an dem Punkt stehe wo ich stehe. Ich durfte extrem viel Wissen sammeln und kann aus eigener Erfahrung anderen Mut bereiten. Ich möchte mich in diesem Bereich auf jeden Fall weiterbilden und mich noch vertiefen. Die Erfahrung selbst, ist jedoch meiner Meinung nach die beste Ausbildung.

Wenn Du dich in der selben Situation befindest wie ich mich befand, dann scheu dich nicht mich anzuschreiben. Ich weiss wie du dich fühlst und Du musst dich dafür nicht schämen.


Ich habe noch ein Video aufgenommen und ging dabei mehr auf die Essattacken sowie auf meine Gefühle dabei ein. Ich werde in der nächsten Zeit dieses Video ebenfalls hier veröffentlichen. Falls du also noch vertiefter wissen möchtest wie ich mich dabei gefühlt habe, verfolge mich weiterhin auf Instagram und Du wirst es auf keinen Fall verpassen.


Ich möchte in Zukunft mein Instagram Account nutzen um mehr Realität zu posten. Damit meine ich nicht, mich einmal im Spiegel mit meinen Bauchfältchen und einmal geflext. Nein! - Ich meine, dass ich reale Essverhaltensweisen aufzeigen möchte. Wie sieht ein wirklicher "Day of Eating" aus, ohne sich Lebensmittel verbieten zu müssen. Wie kann ich nachhaltig mein Gewicht reduzieren und mich trotzdem gut dabei fühlen. Ich bin für mehr Realität und werde in Zukunft mein Bestes geben um dich auf deinem Weg zu begleiten und hoffentlich so vielen Menschen wie möglich die Augen zu öffnen und umdenken zu lassen.


Ich möchte Dir danken, dass du meinen Blog bis zum Ende gelesen hast. Es bedeutet mir die Welt. Ausserdem möchte ich meiner Schwester und meiner Besten Freundin danken, dass ich wann immer ich mich danach fühlte, darüber sprechen konnte. Auch danke ich allen weiteren Freundinnen, welche davon gewusst und immer ein offenes Ohr für mich hatten. Ich danke allen Personen, welche meine Essstörung provozierten und verstärkten, genau durch das bin ich unglaublich gewachsen. Ich Danke allen Therapeuten, welche mich durch diese Zeit stärkten und verhalfen den Weg raus zu finden. Weiter danke ich meinem Freund, welcher mich genau so liebt wie ich bin. Es fühlt sich so gut an, jemanden an der Seite zu haben, der nicht über dich und deinen Körper urteilt und dich genau so gut findet wie du bist. Er ist mir in allen Bereichen meines Lebens eine grosse Stütze und mitverantwortlich für mein wachsendes Selbstwertgefühl. Zum Schluss danke ich mir selbst, dass ich mich genug lieb(t)e um mich aus dieser Situation zu befreien und es mir heute ermögliche, mich selbst zu sein, zu essen was ich möchte und mich genau so zu akzeptieren, wie ich bin.




Namasté


deine Ronja

1.470 Ansichten14 Kommentare

14 Comments


goere
Mar 10, 2023

Liebe Ronja, Deine Geschichte ist sehr berührend und bewegend. Grossartig, wie Du unermüdlich an der Lösung für Dein Problem gearbeitet hast! Du bist eine sehr starke Persönlichkeit! Ich freue mich auf die Arbeit mit Dir in Bezug auf mein Ess-Problem. Ich fühle, dass Deine Methode mir helfen könnte...

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luanaramme
Mar 14, 2022

Wow, mega berührend und schöni Wort <3 so stark und bewundernswert!!

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Leya Kanalga
Leya Kanalga
Feb 23, 2022

Woow wow wow!✨ be sooooooo unglaublich stolz uf dich babe! Dini Wort sind so schön, love the way you are and love to see you shine!💖 You‘re a queen with a golden heart!

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Ronja Oettli
Ronja Oettli
Feb 23, 2022
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Babe danke viel mal für dini immer unglaublich tolle wort, ohni dich wär ich niemals de Mänsch wo ich hüt bin und du bisch so goldwert. Forever together!! 😍💖

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mischi.schreiber
Feb 23, 2022

so wunderschöni, muetigi wort! ♡

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Ronja Oettli
Ronja Oettli
Feb 23, 2022
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danke viel mal liebi Michelle, ich schätze din Komentar sehr fest! ✨🤍

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joel.rudin
Feb 22, 2022

Brutal starch! Chasch so stolz uf dich si, ich bis uf mega uf dich ♥️ top blog👍🏻😍

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Ronja Oettli
Ronja Oettli
Feb 23, 2022
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danke Joel schatz, du bisch ih allem immer en starchi unterstützig 🤍💫🥰

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